Kampf der Betriebsblindheit

(von Susanne Neeb)

Ein typisches Merkmal für Betriebsblindheit ist die eingeschränkte Wahrnehmung betrieblicher Abläufe und Zusammenhänge. Der Begriff beschreibt aber auch jegliches unreflektiertes Handeln, das auf Routine beruht. Betriebsblindheit hemmt die Entwicklung und den Fortschritt eines Unternehmens und spielt dem Wettbewerb aktiv in die Hände.

Das Gute an der Gewohnheit

Routine und Gewohnheit können wie ein Gerüst sein, das Ihnen und den Mitarbeitern schnelle Reaktionen ermöglicht, ohne groß nachdenken zu müssen. So wie etwa beim Autofahren, wo die verschiedensten Abläufe ganz automatisch funktionieren – mit Hilfe unseres inneren Autopilots -, und wir uns so voll auf den Verkehr konzentrieren können (und auf den Mitfahrer, das Telefongespräch, das Hörbuch und das Radio).

Dann wird’s gefährlich: Routine als Fortschrittsbremse

Doch was, wenn diese Routine kein tragendes Gerüst sondern ein Gefängnisgitter geworden ist? Wenn jeder Ansatz zu einer Veränderung schon im Keim erstickt oder die Notwendigkeit zur Veränderung erst gar nicht wahrgenommen wird? Wenn Trägheit und Gewohnheit in solchen Sätzen Ausdruck finden:

„Es ist doch gut so wie es ist!“
„Unsere Kunden wollen das nicht!“
„Das kann ich nicht!“
 „Wir brauchen das nicht!“
„Das haben wir schon immer so gemacht.“
Wenn Sie solche Aussagen hören, sollten alle Alarmglocken erklingen. Sie sind untrügliche Anzeichen für die Gefahr von Betriebsblindheit. Eine selbstkritische Reflektion auf den eigenen Arbeitsplatz, Abläufe und Arbeitsweisen ist bei dem, diesen Sprüchen zugrunde liegenden, Fühlen und Denken praktisch unmöglich. 

Ursachen

Jahrelang die gleiche Umgebung, ähnliche Abläufe und Strukturen, dieselben Kollegen. Da ist  Blindheit selbst in den Unternehmen vorprogrammiert die eine spannende Aufgabe haben. Hier helfen weder Augenarzt noch Brille. Betriebsblindheit ist ein schleichender Prozess, der sich oft unbemerkt über eine längere Zeit in einem Unternehmen ausbreitet. Faktoren, die dazu beitragen, dass sich dieses Phänomen entwickeln kann sind z.B. langfristig stabiler Absatz, kaum Personalwechsel und eine überzogene Ausrichtung des Unternehmens auf Sicherheit, nicht Mitkommen mit technologischen Neuerungen, mangelnde Auseinandersetzung mit dem Wettbewerb und Angst vor Veränderung.

Erste Anzeichen

Das sicherste Anzeichen für eine beginnende Betriebsblindheit ist der feste und unerschütterliche Glaube, dass alles ausgezeichnet läuft. Wenn da nicht solch lästige Faktoren wie anspruchsvolle Kunden, ungeduldige Banken, Lieferanten oder Behörden wären.

Doch sind es nicht etwa nur die Mitarbeiter, die die Sicherheit einer gewohnten Arbeitsweise über die Notwendigkeit zu Anpassung und Veränderung stellen. Häufig genug sind es auch die Führungskräfte, die von dieser besonderen Form der Blindheit geschlagen sind.

Frühzeitig gegensteuern: Wecken Sie neue Lust zur Kreativität

Wenn Sie und Ihre Mitarbeiter wieder Freude am Entwickeln und Umsetzen neuer Ideen gewinnen wollen, fangen Sie am besten mit einem offenen Gespräch über die Tücken der Betriebsblindheit an.

Stellen Sie sich und Ihren Mitarbeitern die Fragen:
  • Wann haben wir uns das letzte Mal wirklich kritisch mit der Wirkung auseinandergesetzt, die wir beim Kunden erzeugen?
  • Wie gut kennen wir unseren Wettbewerb tatsächlich? 
  • Wissen wir wirklich, was unsere Kunden wollen oder vermuten wir es nur?
  • Nutzen wir neue Technologien und Medien effektiv?
  • Wo können wir uns neue Anregungen für unsere Arbeit holen?

Bitten Sie Ihre Mitarbeiter sofort eine Kleinigkeit an ihrem Arbeitsplatz zu verändern. Fragen Sie sie eine Woche später, ob sie sich daran gewöhnt haben – erstaunt wird man feststellen, wie schnell sich Routine und Gewohnheiten einnisten.

Starten Sie eine Ideenbörse mit dem Ziel die Qualität zu steigern, Zeit oder Geld zu sparen oder Kunden zu begeistern! Bleiben Sie hartnäckig dran und geben Sie den Ideen Raum zur Entwicklung. Und vor allem setzen Sie sie in die Praxis um. Regelmäßige Anpassungen und ein am Kunden ausgerichtetes Change-Management werden zu einem zukunftsorientierten Klima beitragen.

Ludwig Bölkow hat dazu gesagt: "Ein Unternehmen ist kein Zustand, sondern ein Prozess".

Zurück